Al-Himma
Zu den Dingen, die ein wichtiges Instrument einer gut funktionierenden Gesellschaft darstellen, gehört das Prinzip der „Al-Himma". Dieser Begriff ist zwar nicht ganz leicht zu übersetzen, man kann es allerdings mit „sich sorgen" und „sich kümmern" umschreiben. Wenn auch es viel mehr ist als das. Es ist der Eifer, hohe Ziele zu erreichen, es ist die Hingabe für eine gerechte und gute Sache arbeiten. Es ist die Bereitschaft, sich voll einzusetzen, das Gefühl haben, verantwortlich zu sein.
Der Prophetengefährte Rabi'a Ibn Ka'b (r) brachte dem Propheten Muhammad (s) einmal in der Nacht Wasser, damit er sich zum Gebet waschen konnte. Er war sehr um Allahs Gesandten bemüht, ja, er fühlte sich für ihn verantwortlich. Der Prophet (s), der sah, dass Rabi'a sichtlich um ihn bemüht war, fragte ihn: „Was wünschst du dir, Rabi'a?" Dieser wiederum war sich wie alle Prophetengefährten der Vergänglichkeit des Lebens, der Welt und aller Dinge auf ihr bewusst. Er wusste, dass keiner stirbt, ohne vorher sein für ihn von Allah bestimmten Lebensunterhalt bekommen zu haben. Und so bat er den Propheten auch nicht um ein Auto, Geld, ein Haus, eine Reise oder Ähnliches, sondern darum, dass er sein Gefährte im Paradies sein dürfe.
Dies ist sicher ein sehr nobler und teurer Wunsch, denn Menschen wie Rabi'a ziehen das Jenseits dem Diesseits vor. Sie haben das vergängliche Diesseits, wie es so schön heißt, für das Jenseits verkauft. Diese Lebenseistellung bedeutet auf keinen Fall, dass sie sich im Diesseits nicht anstrengen, sich um nichts kümmern oder sich durch das Leben schmarotzen, ganz im Gegenteil. Solche Menschen wie Rabi'a Ibn Ka'b, die sich nichts sehnsüchtiger als das Paradies wünschen, wissen, dass der Weg ins Paradies nur über die Anstrengung und ein gottwohlgefälliges Leben im Diesseits führt. Daher wird ein Mensch, welcher sich nicht durch seine Triebe und Launen, sondern von hohen, noblen Zielen leiten lässt, sich den guten Dingen hingeben, welches dazu führt, dass man eine entsprechend hohe Stellung bei Allah einnimmt.
Ein Muslim soll sich eben nicht mit schlechten, niederen Dingen zufrieden geben, sondern immer nach Verbesserung streben. Und auch wenn Bescheidenheit im Handeln und Genügsamkeit in dem was man von Allah bekommt, eine große Rolle spielt, so soll man dennoch sich anstrengen sich und seine Umgebung zum Positiven entwickeln. Nicht selten stellt man fest, dass etwas nicht gut ist, dass es eigentlich besser, gerechter zugehen müsste. Und wie oft denkt man, dass man ja eh außerstande ist etwas zu ändern. Genau diese Einstellung ist das Gegenteil von einem hohen Verantwortungsgefühl. Erfolg findet nämlich zuerst im Kopf statt! Wer von einer Sache überzeugt ist und sich dafür anstrengt, kann sie - mit Allahs Hilfe - auch umsetzen.
Im Koran wird an vielen Stellen zu einem hohen Verantwortungsgefühl aufgefordert. Denn nichts anderes ist es, wenn zum Wetteifern in den guten Werken aufgefordert wird. Allah sagt im Koran: „... also wetteifert in den guten Taten..." (5:48). Es sind Menschen mit einer hohen Himma, die die Geschichte schreiben, denn Allah ändert nicht die Lage eines Volkes, bis sie ändern, was in ihnen ist.


