Stellungname zu den Gewaltakten von Christchurch und Sri Lanka

In Trauer um die Getöteten

3x3 Trauer

Stellungname zu den Gewaltakten von Christchurch und Sri Lanka

Die Nachrichten aus Christchurch/Neuseeland und jetzt aus Sri Lanka haben uns alle betroffen gemacht. Viele Menschen wurden bei diesen Terrorakten getötet oder verwundet. Unsere Gedanken und Gebete sind mit allen Betroffenen, den Getöteten, den Verwundeten und deren Angehörige. Möge Gott den Getöteten einen schönen Heimgang gewähren. Möge Gott den Verwundeten ihre Schmerzen lindern und sie bald genesen lassen. Möge Gott den Hinterbliebenen Geduld und Zuversicht schenken, damit sie den Schrecken dieser Tage und den Verlust ihrer Lieben überwinden können.
Es ist wohl unsere Prüfung von Gott, dass wir in einer Zeit leben, in der wir Menschen durch Ausgrenzung und Feindseligkeit solche Extremisten hervorbringen, die in ihrem Hass und ihrer Verblendung zu solchen Taten fähig sind. Dies gilt für alle Seiten und jede Art von gewaltbereitem Fanatismus.
Wir alle sind für diesen Zustand mit verantwortlich. Solange wir Gewalt mit Gewalt beantworten, dreht sich diese Spirale bis ins Unendliche. Die Profiteure dieses Zustandes sind diejenigen, die uns Menschen aus machtpolitischen, wirtschaftlichen, religiösen oder kulturellen Gründen gegeneinander aufhetzen.
Kapitalismus, Rechtsextremismus, Islamismus, Antisemitismus und Rassismus sind die Fahnen, die gegeneinander ins Feld getragen werden.
Doch sind wir nicht all nur Menschen, die sich wünschen in Frieden und Gerechtigkeit zu leben. Lieben nicht alle Menschen ihre Kinder und wollen für sie eine sichere Zukunft?
Leider haben es die Verantwortlichen an den politischen und religiösen Stellen der Macht weltweit, nicht verstanden und es nicht geschafft für Gerechtigkeit zu sorgen. Sie verhindern es nicht, dass Menschen unterdrückt und ausgebeutet werden, dass es Ungleichbehandlung und Armut unter uns gibt, dass viele keinen Zugang zu Bildung haben.
Stattdessen werden Menschen und Länder mit Krieg überzogen aus machtpolitischen, wirtschaftlichen und religiösen Gründen.
Solange Menschen gezwungen sind in Lebensumständen zu leben die menschenunwürdig sind, es Menschen gibt die ungerecht behandelt werden, solange wir es Terror und Gewalt geben.
Denn diese Menschen sind anfällig für extremes Gedankengut und wenn Faktoren wie Ausweglosigkeit oder geschürter Hass dazu kommen, dann geschehen Taten wie jene in Christchurch und jetzt in Sri Lanka.
Keine Religion ist von ihrer Grundaussage gewalttätig, auch der Islam ist es nicht und der Islam ist auch nicht der Grund, dass auf der Welt Ungerechtigkeit herrscht. Es ist daher einfach falsch und gefährlich, vor dem Islam zu warnen und Angst zu schüren, um ein islamophobes Gedankengut zu verbreiten und Fanatikern wie jenen in Christchurch Argumente zu liefern, um seine Tat zumindest für sich zu rechtfertigen und auch durchzuführen.
Desgleichen ist auch nicht der christliche Glaube verantwortlich und der Antrieb des Attentäters aus Christchurch, oder der Ungerechtigkeit in der Welt. Dass nun hunderte unschuldige, christliche Seelen von einer fanatischen, menschenverachteten muslimischen Gruppierung ums Leben gekommen sind, ist daher ebenfalls auf das schärfste zu verurteilen.
Dieses Vorgehen gegen unsere Mitmenschen, ist mit unserer Religion, dem Islam, nicht vereinbar.
Im Koran in Sure 5:32 steht folgendes:
"Aus diesem Grunde haben wir den Kindern Israel verordnet, dass wer eine Seele ermordet, ohne dass er einen Mord oder eine Gewalttat begangen hat, soll sein wie einer, der die ganze Menschheit ermordet hat. Und wer eine am Leben erhält soll sein wie einer als hätte er die ganze Menschheit am Leben erhalten."
Aus einer überlieferten Aussage des Gesandten Muhammad erfahren wir:
"Vor einer Schlacht kam ein Armeeführer zum Propheten und bat um Rat:
Der Prophet antwortete: Du sollst Allah viel gedenken, ihr sollt nicht ausbeuten, keinen Verrat begehen, kein neugeborenes, kein Kind keine Frau und keine Jugendlichen töten und keinen Baum fällen. Ihr werdet Menschen begegnen, die sich in Gebetshäusern aufhalten ihr dürft sie nicht stören."
Zudem lesen wir in Sure 4:29
„..Und tötet nicht euer Selbst“
Somit ist der Selbstmord und das sich gegenseitige Töten im Koran eindeutig verboten.

Der Kalif Abu Bakr riet ebenfalls: "Begeht keinen Verrat, betreibt keine Ausbeutung, seid nicht arglistig, verstümmelt niemanden, tötet keine Kinder alte Menschen und Frauen, vernichtet und verbrennt keine Dattelpalmen, fällt keine nutzbringenden Bäume, Schlachtet kein Schaf, keine Kuh und kein Kamel es sei denn zur Nahrung."
Selbst in der Zeit als der Gesandte Muhammad fsmi Verteidigungskrieg führen musste, gab es klare Anweisungen keine Unschuldigen und Unbeteiligte, ja sogar Tieren und Pflanzen in Mitleidenschaft zu ziehen und keine Menschen zu behelligen, die sich in Gebetshäusern aufhalten.
Diese fehlgeleiteten Attentäter haben gegen jedwede Anordnung Allahs und des Gesandten Muhammad fsmi verstoßen.
Haben sie den Koran wirklich gelesen? Haben sie verstanden, was von dem Gesandte Muhammad fsmi überliefert wurde?
Und wenn nicht, haben sie denn kein Gewissen und keine Vernunft, um zu begreifen, dass man solche Taten mit Nichts rechtfertigen kann?
Verkauft haben sie ihre Seelen ohne Gewinn und geschadet dem Ansehen der Muslime im Diesseits.
Möge Allah ihnen Gerechtigkeit wiederfahren lassen.
Ich fordere daher alle Muslime auf, sich nicht durch Hassprediger verleiten zu lassen, weiterhin Gewalttaten zu begehen und unschuldige Menschen zu töten.
Dies ist nicht der Weg unserer geliebten Gesandten Muhammad.
Erneut sind also wieder Unschuldige um ihr Leben gekommen, weil wir und unsere politisch und religiösen Verantwortlichen versagt haben. Wenn wir eine friedvolle Zukunft gestalten wollen, dann ist es an der Zeit den Hetzer und Spaltern unter uns entgegen zu wirken. Den Konfliktparteien in der Welt keine Waffen mehr zu liefern, das Vermögen gerecht zu verteilen und allen Menschen Zugang zu Bildung zu ermöglichen.
Ich rufe daher alle Angehörigen der Religionsgemeinschaften auf, gemeinsam gegen Gewalt und Terror zusammen zu stehen. Wir haben einen Auftrag von Gott, uns für den Weltfrieden einzusetzen.

Mögen wir Menschen endlich begreifen, dass wir mit der gleichen Kraft mit der wir uns bekämpfen und unser Welt an den Abgrund führen, mit der gleichen Kraft und mit dem rechten Willen ein friedliches Zusammenleben erreichen können, in dem wir für Gerechtigkeit sorgen, die Menschenrechte achten und den Nächsten lieben wie uns selbst.

In Trauer um die Getöteten.
Abdulqadir Gerhard Schabel
Haus des Islam e.V.