Die spontane Entscheidung & ihre Konsequenzen

Die spontane Entscheidung & ihre Konsequenzen

Hier mein Erfahrungsbericht aus dem HDI Familienzeltlager 2011. Mein Name ist Umm Iman und ich habe mit meinen beiden Söhnen (18 und 5 Jahre) teilgenommen.

Bismillahi Arrahmani Arrahim

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen. Alles Gute ist von Ihm, das Schlechte von mir.

Eigentlich wollte ich dieses Jahr nicht zum Familienzeltlager: die lange Anreise mit dem Zug, die an sich schon anstrengend genug ist und dann noch Ramadhan. Aber dann kam alles ganz anders und buchstĂ€blich in letzter Minute am Sonntagmorgen entschloß ich mich zur Fahrt mit meinem großen Sohn und dem Kleinen, der 5 Jahre alt ist.
Ich brauchte dringend eine Auszeit: eine Woche nur fĂŒr Allah (s+t) und im Vertrauen auf Ihn, Abschalten, Koranlesen und Nachdenken, in schöner Natur mit Geschwistern im Islam ungezwungen zusammensein.
Also dann 1,5 Stunden zum Packen der ganzen AusrĂŒstung, der Wetterbericht interessierte mich ĂŒberhaupt nicht, noch schnell ein Bittgebet fĂŒr die Reise - und dann los!.

Nach ĂŒber 8 Stunden Zugfahrt glĂŒcklich angekommen, dann das Aufstellen des Zweimannzeltes fĂŒr mich und den Kleinen. Nach 3 Jahren Ruhe im Keller war das auch nicht so einfach , besonders weil die Erdanker fehlten. Aber Alhamdulillah hatte das HDI noch welche fĂŒr uns. Der spĂ€te Kaffee dann um 23 Uhr schmeckte sehr gut, und bescherte mir dann eine schlaflose
Nacht. Dazu stellten sich die vermeintlich weichen Kissen , die ich als Unterlage mitgenommen hatte, als bretthart heraus. Nie wieder eine solche Nacht!

Am nĂ€chsten Morgen hielt mich mein Sohn zum GlĂŒck davon ab, zum nĂ€chsten Bauern zu gehen und Heu als Schlafunterlage zu besorgen: eine Luftmatratze, die jemand vergessen hatte und ein weiterer Schlafsack waren dann doch die bessere Alternative. Alhamdu lillah.
Dann der erste gemeinsame Tag im Lager. Leider hatten wir das reinste Aprilwetter: den ganzen Tag abwechselnd Regen und danach wieder Sonne. Aber den Kindern schien es nichts auszumachen: mit wasserdichten Regensachen hatten sie trotzdem alle ihren Spaß, ma schah Allah.
Dann Abends der Schock: mein Kleiner hatte SchĂŒttelfrost und hohes Fieber bekommen, war wohl doch alles etwas zu viel.
Wie sollte ich hier im Zeltlager ohne Licht, Strom, fließendes Wasser, das Bad ewig weit entfernt und im Dunkeln, dazu hatte ich nur wenige Medikamente mitgenommen, ein kleines Kind gesundpflegen?
Aber dann stellte es sich heraus, dass doch alles notwendige vorhanden war, al hamdu lillah: starke Taschenlampe, heißes Wasser, die richtigen Medikamente von den Geschwistern bekommen, (hier nochmal ein barik Allahu fik an euch alle) und vor allem Geduld.

Am nÀchsten Morgen sah die Welt dann doch schon anders aus: meinem Sohn ging es besser, al hamdulillah, und was ich noch benötigte, konnte rasch besorgt werden.
Den Tag im Zelt verbracht, störte uns der nĂ€chste Regentag wenig, bis - dann Abends das Gewitter aufzog. Noch rasch die Leinen am Zelt nachgespannt, Anker festgeklopft, eine Regenrinne gezogen und dann war es auch schon ĂŒber uns.
Zuerst war es ja ganz gemĂŒtlich im Zelt, wir hörten den Regen prasseln.
Dann kontrollierte ich den Boden auf Dichtheit und stellte fest, dass ein kleiner Bach regelrecht unter uns hindurch lief – wahrscheinlich war das fĂŒr jedes Zelt zu viel: Also alles mit Kind auf die trockene Seite geschafft und draußen fĂŒr den richtigen Ablauf mit einer Schaufel gesorgt, wobei mir noch eine Schwester, zu Hilfe kam, barik Allahu fik.

Am Mittwochmorgen konnten wir dann leider noch nicht zum Kletterpark mitfahren. Gemeinsam mit den beiden anderen ZurĂŒckgebliebenen rĂ€umten wir das Lager etwas auf und legten die nassen Teppiche aus dem Moscheezelt in die Sonne zum Trocknen. Nach den beiden anstrengenden Regentagen kamen die anderen dann gutgelaunt nachmittags zurĂŒck.

Wahrscheinlich konnten wir alle jetzt erst das Zeltlager so richtig genießen, denn das Wetter wurde besser, das Lagerfeuer nachts im Mondschein machte wieder Spaß, der Bach, an dem das Moscheezelt lag, murmelte angenehm beim Gebet, einige wagten sich am nĂ€chsten Tag sogar zum Baden in den See, die Kinder trafen sich zum gemeinsamen Spielen, die Erwachsenen zum Qur`anlesen, es gab einen Workshop zum Thema Islam und Umwelt, einige malten Kalligraphien auf LeinwĂ€nde, die dann unter großem Hallo fĂŒr einen guten Zweck versteigert wurden, und ich hatte jetzt Zeit, die anderen Teilnehmer richtig kennenzulernen.

Ja, dann war da noch das gemeinsame Kochen! Immer zwei Familien sollten an einem Tag nach Plan fĂŒr das Essen sorgen.
Aber dann trafen sich doch alle, die helfen wollten, im KĂŒchenzelt. Deutsche, afghanische, tĂŒrkische, tunesisch-französische KĂŒche, mehrere KĂŒchenchefs und noch mehr Meinungen, deutsch-französische VerstĂ€ndigungsschwierigkeiten, große Töpfe auf Gasbrennern, ungewohnte Mengen, die wegen Fastens nicht richtig abgeschmeckt werden konnten – trotzdem, es machte riesigen Spaß und das Essen wurde bestens .Al hamdu lillah.

ZurĂŒckblickend kann ich sagen, dass ich mein Ziel, abschalten und sich auf Allah (s+t) konzentrieren, erreicht habe, vielleicht auf eine etwas andere Art als ursprĂŒnglich geplant, Al hamdu Lillah. Es war sehr schön, mit den Geschwistern diese Woche zu erleben, gemeinsam zu beten, zu fasten, trotz aller Schwierigkeiten. An dieser Stelle nochmals viele liebe GrĂŒĂŸe an euch alle! IsA sehen wir uns nĂ€chstes Jahr wieder.

Hier noch meine drei wichtigsten Erfahrungen: Im Vertrauen auf Allah (s+t) Geduld haben, geschwisterlich miteinander umgehen und den Mut haben, etwas fĂŒr die Gemeinschaft zu tun.

Alles Lob gebĂŒhrt Allah (s+t)

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